Schwarzer Dienstag für die Wirtschaft in Niederbayern und der Oberpfalz:
Wegen der Absatzkrise am Automarkt hat BMW für insgesamt 26000 Mitarbeiter punktuelle Kurzarbeit angekündigt. Die Auswirkungen dieser Maßnahme, die an ausgewählten Tagen greifen soll, werden hauptsächlich in Ostbayern zu spüren sein, denn allein in den Werken Dingolfing, Regensburg und Landshut sind den Angaben
von BMW zufolge rund 25700 Mitarbeiter davon betroffen.
Damit schickt der Konzern jeden dritten Angestellten in seinen deutschen Autowerken in Kurzarbeit. Während die Betriebsratschefs der ostbayerischen Werke von einem guten Kompromiss in schwierigen Zeiten sprechen, befürchtet die IG Metall, wie in unserer Dienstagsausgabe berichtet, massive Auswirkungen auf die Beschäftigung bei den Zulieferbetrieben.
Geplant ist den Angaben von BMW zufolge, im Februar und März in Deutschland insgesamt 38000 Fahrzeuge weniger zu bauen als ursprünglich vorgesehen.
Vor allem Modelle der 3er- und 5er-Baureihe, bei denen der Münchner Autokonzern
im vergangenen Jahr teils drastische Absatzeinbußen verzeichnen musste,
sollen nun in geringerer Stückzahl von den Bändern laufen.
Die Modelle der 5er-Reihe werden im weltgrößten BMW-Werk in Dingolfing
hergestellt, die der 3er-Reihe in Regensburg.
Um die Produktion weiter zu drosseln, wird neben den Montagewerken in Dingolfing und Regensburg sowie dem Zulieferwerk Landshut auch in der Bremsscheibenfertigung in Berlin zeitweise kurz gearbeitet. So sollen in Dingolfing 15000 von rund 20000 Mitarbeitern in Kurzarbeit gehen. In Regensburg sind 8000 von 9500 Stellen
betroffen, in Landshut 2700 von 3500. In Berlin sind es den Unternehmensangaben zufolge lediglich 190 Mitarbeiter, die weniger arbeiten. Keine Kürzungen gebe es
in den Werken in München und in Leipzig. Auch an den Standorten im Ausland wie beispielsweise in den USA soll der Betrieb normal weiterlaufen.
Zehn produktionsfreie Tage in Dingolfing
Wie der Dingolfinger Werkleiter Wolfgang Stadler mitteilte, seien an dem Standort im Februar derzeit insgesamt zehn produktionsfreie Tage vorgesehen.
Die Planungen für März würden noch laufen. "Die kommenden Jahre werden hier im Werk durch den Anlauf zahlreicher neuer Produkte geprägt sein, dafür brauchen
wir die ganze Erfahrung und Kompetenz unserer Mitarbeiter in Dingolfing", so Stadler.
Laut Dr. Anton Heiss, Chef des BMW-Werkes in Regensburg, ist hier bislang für drei Termine Kurzarbeit vorgesehen: am Montag, 9. Februar, Samstag, 21. Februar,
sowie in der Faschingswoche vom 23. bis 28. Februar.
Wie in Dingolfing sind auch hier die Planungen für März noch am Laufen.
"Die punktuelle Kurzarbeit trägt mit allen anderen flexiblen Maßnahmen dazu bei,
die Beschäftigung der Mitarbeiter am Standort auch in diesen schwierigen Zeiten zu sichern. Wir wollen, nicht zuletzt durch diese Maßnahmen, gestärkt aus der momentanen schwierigen Situation hervorgehen", so Heiss.
Auch der neue Z4, der ab heuer im Werk Regensburg gebaut werde, mache
"Mut für die Zukunft unseres Standorts".
Mindestens 93 Prozent des durchschnittlichen Lohns
Die Auswirkungen für die Beschäftigten in den drei Werken in Niederbayern und der Oberpfalz sollen sich jedoch in Grenzen halten. So sei vorgesehen, ihnen mindestens 93 Prozent ihres durchschnittlichen Nettoeinkommens zu zahlen.
Wenn die geringere Arbeitszeit zu einem Netto-Entgelt unter diesem Niveau führe, werde das Unternehmen den betroffenen Mitarbeitern den entsprechenden Differenzbetrag ausgleichen. "Es war immer eine unserer Stärken, durch eine breite Palette von Flexibilisierungsinstrumenten auch in schwierigen Zeiten Beschäftigung
zu sichern", so der neue BMW-Personalvorstand Harald Krüger laut Mitteilung.
Die Situation werde sich Ende des ersten Quartals und Anfang des zweiten verbessern, so die Einschätzung Krügers. Auch der Z4 werde erst im Mai eingeführt und in den nächsten Wochen sukzessive in Regensburg hochlaufen.
Zur Höhe der Einsparungen durch die zusätzlichen Kürzungen machte er keine Angaben. "Das werden wir in den nächsten vier bis sechs Wochen klären.
Momentan ist das noch nicht zu beziffern", sagte Krüger am Dienstag einer Nachrichtenagentur. Weitere Stellenstreichungen wie im vergangenen Jahr seien
aber ausdrücklich nicht geplant. Sollte die Nachfrage im Frühjahr wider Erwarten
nicht anspringen, stünden BMW durchaus noch weitere Mittel zur Verfügung, um die Produktion ohne Stellenstreichungen anzupassen.
Neuer Vertriebschef für Deutschland
Zugleich kündigte BMW am Dienstag Veränderungen im Vertrieb an.
Der bisherige Vertriebschef für Deutschland, Philipp von Sahr, wechselt ins Ausland. Sein Nachfolger wird Karsten Engel, der bislang unter anderem für
Vertriebsstrategien zuständig war.
Bericht: Hannes Lehner
Quelle: idowa.de Mediendienste